1987 – Der jüngste Tag

Autor
Ödön von Horváth

Regie
Kurt Frauchiger

Das Stück
Eisenbahnkatastrophe wegen eines Kusses.
Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf mit einem Bahnhof, wo die meisten Züge ohne Halt durchbrausen. Dieser Bahnhof wird von Stationsvorsteher Thomas Tüscher bedient, einem korrekten, vorbildlichen Beamten, der noch nie ein Signal nicht gegeben hat. Er steht unter Druck seiner um 13 Jahre älteren, unzufriedenen und unbefriedigten Gattin Gertrud, die ihrerseits eine Stütze in ihrem Bruder, dem Dorfdrogisten Alfons hat. Obwohl Tüscher die Differenzen mit seiner Frau nie zugibt, weiss die ganze Dorfschaft davon, zumal sich der Herr Stationsvorstand schon seit langem nicht mehr im Wirtshaus hat blicken lassen. Prompt wird er deswegen eines Tages von der hübschen Anna, der Tochter des Wirtes gestellt, nachdem diese ihren Verlobten, den Mezger Ferdinand auf den Zug begleitet hat. Um die im Dorf unbeliebte Gattin des Vorstandes – diese hysterische Scheese – zu ärgern, drückt Anna Thomas einen Kuss auf die Wange – einen Kuss mit fatalen Folgen, denn Sekunden später donnert der Schnellzug über das zu spät gestellte Signal und stösst auf dem Viadukt mit einem Güterwagen zusammen.

Anna, Gertrud und Thomas wissen genau, dass das Signal wegen dieses Kusses zu spät gestellt wurde; der Staatsanwalt kann dies nicht beweisen, hat aber ein «merkwürdiges Gefühl». Wie werden sich die drei nun vor der Justiz verhalten? Wird die Gattin ihren ungeliebten Mann schützen – oder wegen Anna wahrheitsgemäss aussagen? Wird Anna einen Meineid leisten? Wird Thomas lügen, um die junge Anna und sich zu schützen?
Ödön von Horváth hat die weitere Entwicklung dieses Dramas sorgfältig aufgebaut und so die Spannung bis zum letzten Moment aufrechterhalten, denn er bringt nicht nur die Justiz ins Spiel, sondern auch die Dorfbürger. Dorfbürger, die ohne exaktes Wissen um die Begebenheiten vor dem Unglücksfall ebenfalls Justiz spielen, und so das Gewissen der Beteiligten plagen.

Personen
Thomas Tüscher, Stationsvorstand, Theo Marti
Gertrud Tüscher, seine Frau, Margrit Eggli
Alfons Tüscher, ihr Bruder, Drogist, Urs Zingg
Gottfried Lechner, Wirt zum «Wilden Mann», Ruedi Rickli
Anna Lechner, seine Tochter, Yvonne Brefin
Ferdinand, deren Bräutigam, Metzger, Urs Hungerbühler
Leni, Kellnerin im «Wilden Mann», Alexandra Vogt
Frau Leimgruber, Liliane Lauber
Bauernfrau, Susanne Baumgartner
Vertreter, Toni Bürki
Polizist, Urs Steiner
Josef Flückiger, Zugführer, Fredi Borcard und Jürg Schneeberger
Staatsanwalt, Franz Ryser
Kriminalbeamter und Streckenwärter, Martin Scherler
Ehrsam, Lokomotivführer, Walther Pulver
Gast, Cyril Bezak
Kind, Denise Brombacher, Lisa Schweighauser und Caroline Pulver

1987_IhadSunne72 1987_Schluss72

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