2010 – Time to kill

Autor
Leslie Darbon

Regie
Rolf Schoch

Das Stück
Maggie Parkes wohnt mit ihrem Mann Don in einem kleinen Ort an der Themse, in dem einige Zeit zuvor ein Frau (Rosemary Mancini) Selbstmord begangen hat. Maggie ist der Auffassung, dass die Polizei die Untersuchung nachlässig durchgeführt hat: ihrer Meinung nach handelt es sich um Mord oder zumindest unterlassene Hilfeleistung. Don, der im Begriff ist, eine Geschäftsreise nach Köln anzutreten, versucht, Maggies Gedanken zu zerstreuen und ist froh, dem bevorstehenden «coffee morning» von Maggie und ihren Freundinnen zu entkommen. Kurze Zeit nach Dons Weggang erscheint Ben Sexton in Maggies Wohnung. Als allseits bekannter Schürzenjäger verspricht er sich ein Abenteuer von Maggies unzweideutiger Einladung: Sie hatte ihm einen Schlüssel zur Wohnung gegeben. Mit einem Trick gelingt es Maggie, Ben die Rolle eines «sex maniac» spielen zu lassen und ihn in ihrer Wohnung festzuhalten.

Maggies «coffee morning» mit ihren Freundinnen Jane, Helen und Liz stellt sich nun als Tarnung heraus. Die vier Frauen sind davon überzeugt, dass Ben Schuld am Tod von Rosemary Mancini hat und stellen ihn vor ihr (privates) Gericht: Jane (als ehemalige Jurastudentin) ist Richterin, Maggie spielt die Staatsanwältin (‚Prosecuting Counsel‘), Liz ist Schriftführerin und Helen Gerichtsdienerin. Im Verlauf der Handlung werden die Aufgaben wechseln, da alle auch als Zeugen auftreten. Das Wohnzimmer wird mit Hilfe von Requisiten der ‚local drama society‘, der Maggie angehört, in einen Gerichtssaal verwandelt. Maggie berichtet, wie sie die tote Rosemary gefunden hat und klagt Ben förmlich des Mordes an: Rosemary habe ihn, den Vater des zu erwartenden Kindes, nach Einnahme von Schlaftabletten um Hilfe gebeten, er habe den Hörer wieder aufgelegt und ihren Tod damit billigend in Kauf genommen. In diesem Moment kommt Maggies Ehemann Don zurück, weil er seine Vertragsunterlagen zu Hause hat liegen lassen. Als er Ben’s missliche Lage und die Entschlossenheit der vier Frauen erkennt, beschliesst er, Ben’s Verteidigung zu übernehmen. Jane als Richterin macht Don und Ben klar, dass ein Urteilsspruch „ihres Gerichts“ dem eines wirklichen Gerichts mit allen Konsequenzen gleichzusetzen sei.
Als erste Zeugin sagt Liz aus, dass sie Ben an seinem typischen Aufzug («shirt unbuttoned down to his navel, cocky hat») als denjenigen erkannt hat, der Rosemary an ihrem Todestag zweimal aufsuchte. In einem Kreuzverhör gelingt es Don, Liz‘ Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Jane als nächste Zeugin erklärt, dass Ben bei ihr eine depressive Phase ausgenutzt habe und sie bereit gewesen sei, ihren Mann seinetwegen zu verlassen, es aber nicht getan habe, u.a. weil sie Augenzeuge von Ben’s nächstem Abenteuer – mit Rosemary Mancini – geworden sei. Sie legt dem Gericht eine Auflistung aller Rendezvous zwischen Ben und Rosemary im Red Stage Motel vor. Ben protestiert und erklärt alle Aussagen für Lügen. Selbst als Zeuge aufgerufen bestätigt Don widerwillig einige der von Jane gemachten Aussagen. Jane erinnert ihn an sein Zusammentreffen mit ihr im Red Stage Motel, wo sie ihn zufällig getroffen habe. Ben streitet erneut jegliche Beziehung zu Rosemary ab. Helen als vierte Zeugin sagt aus, dass Ben ihren Mann Joe, den Apotheker des Ortes, um eine Mittel zur Abtreibung (‚abortion‘) gebeten habe, ein Ansinnen, das ihr Mann jedoch empört abgelehnt habe. Aus Ben’s Verhalten ergebe sich eindeutig der Beweis für seine Vaterschaft und für seine Schuld an Rosemarys Tod. Als Maggie schließlich als Zeugin aussagt und zwei Photos als Beweis für Ben’s Verhältnis mit Rosemary vorlegt, die sie auf deren Totenbett gefunden hatte, erkennt Ben, dass die Photos mehr als zwei Jahre alt sind. Jetzt will er selber als Zeuge gehört werden.

Leslie Darbons Privatgerichtskrimi bietet trotz starkem Akzent auf dem gesprochenen Wort (Zeugenaussagen, Anklagen, Verteidigungsreden) viel Abwechslung durch die verschiedenen Personen, überraschenden Wendungen und Rollentausch. Das Bühnenbild ist relativ einfach zu gestalten, die Ansprüche bezüglich Kostümierung sind gering, da das Stück in der Gegenwart spielt. Durch die beschränkte Zahl der Mitwirkenden (6 Personen) bleibt die Handlung übersichtlich. Die Dramatik ergibt sich vor allem durch das verbale und emotionale Engagement der beteiligten Charaktere.

Personen
Don Parkes, Martin Scherler
Maggie Parkes, Rebekka Rohrbach
Helen Francis, Anna Röthlisberger
Ben Sexton, Simon Heiniger
Jane Abbott, Alexandra Vogt
Tina-Liz Thomas, Pia Henzi

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