[Schlosskeller] [Theatergruppe]


Furnier
 

von Guy Krneta

 

Mundartgeschichten auf der Bühne - erzählt vom Theater im Schloss Fraubrunnen, 2001

«Furnier» heisst eine Sammlung von Geschichten des Autors Guy Krneta, von denen einige komisch, absurd und «schräg» sind, andere ganz leise, zart und zerbrechlich. Sie erzählen vom Leben, das wir an der Oberfläche mit einem schönen «Furnier» veredeln - aber untendrunter? Und sie erzählen von Menschen, die auf dem glatten Furnier ausrutschen, sich den Kopf anschlagen, eventuell ein Loch in das Furnier hauen, und nicht wissen, wie sie dieses Loch wieder flicken können...

Der Autor
Guy Krneta, freier Autor und Dramaturg, geb. 1964 in Bern. Lebt in Aarau. Er arbeitete unter anderem als Co-Leiter des Berner Theaterfestivals auawirleben und im Theater Tuchlaube in Aarau. Er hat bisher dreizehn Texte für das Theater geschrieben, seine Mundartstücke wurden teilweise auch ins Deutsche und Holländische übersetzt. Für «Legende vom Dolchstoss» (1989) erhielt unter anderem auch den Preis der Stiftung zur Förderung der Bernischen Mundartdramatik.
«Furnier» wurde 1996 vom Freien Theater M.A.R.I.A. (Aarau) uraufgeführt.

Regie:
Stefan H. Kraft, geb. '66 in Freiburg im Breisgau (D), Studium Germanistik, Romanistik, Geschichte und Philosophie in Köln (erfolgreich abgebrochen), dann endlich Theaterausbildung in Ulm (D) und in der Kulturmühle Lützelflüh im Emmental. Arbeitet seit '92 als freier Schauspieler und Theaterpädagoge, neuerdings auch als Regisseur. Langjähriges Mitglied des "théâtre pour le moment" (Bern) sowie Engagements als Gast in Ensembles der Schweiz und im Ausland.


Personen:

Iris Gschwend

Simon Heiniger

Henriette Kläy

Liliane Lauber

Alexandra Megert


   
-> Video   

Die Geschichten:
(einige Textproben)


Loebegge:
Z'Bärn em Loebegge het ne eine gchläpft. Vom Velo obenabegschrissen u gchläpft. Schlimm isch nid, seit är, dass si mi gchläpft hei. Schlimm isch d'Tendänz. Dass me wider ungschouet cha gchläpft wärde. U au anger luege zue. Luege zue u finges richtig.

ES VELO GHÖRT NID A LOEBEGGE!

Karin und Jean:
Wo d Karin u dr Jean ghürate hei, ha se no nid kennt. HÄRZLECHI YYLADIG ZUR HOCHZYT! D KARIN U DR JEAN HÜRATE! isch ufere Poschtcharte gschtangen i mym Briefchaschte. Aber i ha mi nid möge bsinne, jemaus e Karin und e Jean kennt z ha. Di Näme hei mer nüüt gseit. Drum ha se furt gheit. Di Postcharte. Paar Tag schpeeter isch es Telegramm cho. YYLADIG ZUR HOCHZYT. BITTE ANTWORTEN. KARIN UND JEAN. Wider han i nüüt dermit chönnen aafah. Drum han i o das Telegramm furtgheit. I kenne ke Karin. I kenne ke Jean. Mou. Einisch han i e Karin kennt. Ir dritte Klass. Däsch öppe zwänzg Jahr här gsi. U o ne Jean isch mr plötzlech i Sinn cho....


Oberländer Volksgedicht:
Wo Gott em Mensch ht Muul und Arschloch gschaffe
het er erscht beedes in eenem welle schaffe

us hygienische Gründe aber het er sich du doch entschide
die beede vonenander z trenne

nur einzelni Prototype vo dr erschte Sorte het er gschaffe
so chunnts, dass no hütt usem Muul vo vilne Mensche Schysdräck usechunnt


Messy:
Kennet dr d Nachtbar MESSY? Z Bärn. I dr Nöiehuusgass. Dert isch einen yne, Löiebärger, mit Schnouz. Het sech ufene Barhocker gsetzt. Isch e Frou zuen ihm cho. Het ihm gfaue. Mit ihm änglisch gredt. Win’r heissi? Löiebärger. Vo wo si chöm? Us Russland. Us Saratow, het si gseit. Öb är Russland kenni? Nei. Was si gmacht heig, dert? Was si glehrt heig? Nüüt, het si gseit, si syg fuu gsi....


Buumes:
Buumes hei über is gwohnt. Bi Meyers. Uf dr glyychen Etage. Mir hei se nid kennt. Buu-mes. Weni. Vom Gseh. Vom Grüesse. Ir Tiefgarage oder im Schtägehuus hei mr öppen es Wort zäme gredt. Oder zwöi.....

si chönni gärn no ihre Schnaps ustrinke. Si heige’s ja nid wytt. Söuen eifach nächär d Türe hinger sech zuezieh. Schnappt vo säuber y. Bi gah schlafe. Em sibni het dr Wecker glüttet. D Frou het ufmüesse. Ässe mr schnäu zäme z Morge, han i tänkt. När leg i mi non e Schtung häre. Won i i ds Wohnzimmer chume, sitze dert geng no Buumes. Ufem Kanappee. Schmöcken a ihrem Schnapsglesli.....


Resumé:
Aagfange het aus bi dere Bouschteu. Dene zuegluegt, wi si dert di Betontreger ufezoge hei. U äne sy paar ufeme Grüscht umegogeret. Nume tänkt, we itz dert nid no einen abegheit. Wo dr Betontreger gäge ds Grüscht ghoue het. Einen usgrütscht isch. Ufem Grüscht. Sech nümm chönne häbe. Abegheit. Füfzäh Meter i d Tiefi. Ig ihm zuegluegt. Dungen es Armierigsysen usem Bode. Vou dr Lengi nah ufgschpiesst. Das wär’s auso, han i tänkt. Wär’s auso gsi....


Ad Acta:
D Gschicht vomene Orcheschter. Vo eim vo de füf wäutbeschte Orcheschter. Die hei e Dirigänt gha, e Berüemtheit. Dä isch pensioniert worde. Auso hei si e Nachfolger pruucht. Isch eine gwääut worde. E Dütsche. Relativ jung. Schteili Karriere. Hochbegabt. Aber unkonventionell im Umgang. Hüüfig i Talkshows. Geng légèr aagleit. Lockeri Schprüch ir Lokal-Press. Gäge Tier-Versüech. Ds Orcheschter het sech afah wehre...


Marc:
I ha mau e Fium gseh. I weiss nid, öb dr dä o gseh heit. E französische Schpiufium. Im Fernseh. Zimlech schpäät. Marc het dä gheisse. Aber cha mi o tüüsche....


Lüthy:
Natürlech het er d Matur gmacht gha. Bärn-Chilefäud. Anno dazumal. Werum die sys Maturzügnis hei wöue gseh? Bis itz het no nie öpper sys Maturzügnis wöue gseh. Uni-Abschluss - guet. Zügnis vo früecheren Arbeitgäber. Aber sys Maturzügnis? Wenn er nume gwüsst hätt, won’r’s het....


Gilbert:
Git viu, wo säge, dass si mau lenger mit em Gilbert wette rede. I nid. I wett nid mit em Gilbert rede. I weiss, dass Gilbert nüüt z`säge het....


Nachtrag:
i ha ds Ching lah versuufe
da derzue muess me wüsse: i bi Unggle
es het nid chönne schwümme
i ha gwüsst, dass's nid cha schwümme
i han ihns gwarnet

du chasch nid schwümme
han i em Ching gseit
du versuufisch
aber wo's nid uf mi glost het
han i tänkt: henu, muesch's haut säuber lehre

es mues es säuber lehre, han i tänkt
süsch gumpet's geng wider
süsch wott's geng wider i ds Wasser gumpe
u geng bin i de nid da
u einisch versuuft's

de gump haut
han i em Ching gseit
de lehr^s haut säuber
aber we'd versuufsch
chumm di nid cho reiche

aber ds Ching isch gumpet
u wo's isch versoffe
het's um Hiuf gmööget
i bin ihm zwar nache u ha's wöue reiche
aber scho z schpät gsi


D Frou Woleberger:
Em Tsyyschti isch d Ghüderabfuer cho. Geng em Tsyyschti. U mängisch em Donnschti. U geng em Tsyyschti het d Frou Wolebärger ihres chlyyne Seckli uf d Schtrass usetah. Ihres chlyyne Seckli mit em gäube Chläber. Viu het die ja nümme gha. Geng son es chlyyses Seckli vou Ghüder. Jede Tsyyschti. Aber einisch em Tsyyschti isch ihres Seckli blybe schtah....


Grännachte:
Das han i no nie öpperem verzeut. U vilech geits o gar niemer öppis a. Mit mynen Eutere han i nie drüber gredt. Wahrschynlech wette si nid drüber rede. Aber i ha's o nie probiert. Wüu i bi denn no nes Ching gsi. Bischofs sy cho zum z'Nacht. U no nes angers Päärli, won i nid kennt ha. Nach em Ässe han i i ds Bett müesse. Aber nid chönne yyschlafe. Auso bin i ufgschtange. I ds Wohnzimmer übere zu den Erwachsene. Won i aber im Gang bi, ghören i öppis schluchze. Wimmere u süüfzge. Won i d'Türe ufmache zum Wohnzimmer, gseh se dert sitze, die sächs Erwachsene. Sitze zämen am Tisch ufgschtützt u gränne....


Es isch fertig..:


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