von Jean-Paul
Sartre
Berndeutsche Bearbeitung
Marlise Oberli-Schoch

Produktion 2007 des
Theaters im Schloss Fraubrunnen
Der Autor:
Jean-Paul Sartre wird 1905 in Paris geboren. Er studiert
Philosophie und schon während der Studienzeit beginnt die
lebenslange Beziehung zu Simone de Beauvoir. Nach seinem
Militärdienst unterrichtet er an unterschiedlichen Gymnasien das
Fach Philosophie.
Bei einem Stipendiatenaufenthalt in Berlin (1933/34) lernt Sartre die
zeitgenössische deutsche Philosophie, insbesondere E. Husserl
und M. Heidegger kennen. Neben dem Lehrerberuf veröffentlicht
Sartre ab 1936 Bücher und Zeitschriftenaufsätze, vor allem
Literaturkritiken.
Während der Besatzungszeit engagiert er sich mit seinen
Möglichkeiten als Intellektueller und Autor in der
Résistance. Sartre schreibt Kriegstagebücher und arbeitet
an seinem ersten philosophischen Hauptwerk Das Sein und das
Nichts.
1945 gibt Sartre den Lehrerberuf auf und lebt fortan als freier Autor
in Paris. Schnell avanciert der Schriftsteller zum bedeutendsten
Vertreter der französischen Nachkriegsliteratur. Der Philosoph
Sartre wird als Existentialist bekannt mit Gedanken wie: "Es gibt
keinen Gott" und "Der Mensch ist nichts als das, was er macht".
1964 erhält er den Nobelpreis für Literatur, den er
allerdings aus politischen Gründen nicht annimmt.
Er stirbt 1980 in seiner Heimatstadt Paris. Der Zug zu seinem
Begräbnis ist ein Ereignis, wie es die Stadt seit dem Tod von
Victor Hugo nicht erlebt hat.
Bibliografie:
- L'imagination
(1936) -- Die Vorstellung
- La nausée
(1938) -- Der Ekel
- La Transcendance
de l'Ego (1937) -- Die Transzendenz des Ego
- L'Enfance d'un
chef (1938) -- Die Kindheit eines Chefs
- Le mur (1939) --
Die Mauer
- L'imaginaire
(1940)
- Les mouches
(1943) -- Die Fliegen
- 4 L'être et
le néant (1943) -- Das Sein und das Nichts
- Huis-clos
(1944) -- Geschlossene Gesellschaft
- L'existentialisme
est un humanisme (1945) -- Der Existentialimus ist ein Humanismus
- Morts sans
sépulture (1946) -- Tote ohne Begräbnis
- La Putain
respecteuse (1946) -- Die ehrbare Dirne
- Qu'est ce que la
littérature? (1947) -- Was ist Literatur? *Baudelaire
(1947)
- Les jeux sont
faits (1947) -- Das Spiel ist aus
- Les mains sales
(1948) -- Die schmutzigen Hände
- Le diable et le
bon dieu (1951) -- Der Teufel und der liebe Gott
- Les
séquestrés d'Altona (1959) -- Die Eingeschlossenen
oder auch Die Eingeschlossenen von Altona
- Critique de la
raison dialectique (1960) -- Kritik der dialektischen Vernunft
- Les Chemins de
liberté (1946-1949) -- Wege der Freiheit
- Les mots (1964)
-- Die Wörter
- Situations
(1947-1965)
- Bariona, ou Le
fils du tonnerre (1970) -- Bariona oder Der Sohn des Donners
- L'Idiot de la
famille. La vie de Gustave Flaubert de 1821 à 1851
(1971-1972)-- Der Idiot der Familie. Gustave Flaubert 1821-1857
(1977-1979)
- Cahiers pour une
morale (posthume, publié en 1984) -- Entwürfe für
eine Moralphilosophie
- La reine
Albemarle ou le dernier touriste. Fragments (posthume,
publié en 1991) -- Königin Albemarle oder Der letzte
Tourist, 1994
Zitate:
- "Die Existenz
geht dem Wesen voraus." / "L'existence précède
l'essence." (L'existentialisme est un humanisme)
- "Der Mensch ist
zur Freiheit verurteilt." / "L'homme est condamné à
être libre" (L'existentialisme est un humanisme)
- "Nie waren wir so
frei wie unter der deutschen Besatzung." (Situations,
III)
- "Die Hölle,
das sind die anderen." / "L'enfer, c'est les
autres"(Huis-clos)
- "Du bist nichts
als das, was du lebst." (Huis-clos)
- "Oreste: Fremd
mir selbst, ich weiß. Jenseits der Natur, gegen die Natur,
ohne Rechtfertigung, ohne anderen Gewähr als in mir selbst.
Aber ich kehre nicht unter dein Gesetz zurück: es sind
tausend Wege gezeichnet, die zu dir führen, ich will jedoch
einzig meinem Weg folgen. Denn ich bin ein Mensch, Jupiter, und
jeder Mensch muss seinen Weg erfinden. Die Natur empfindet
Schrecken vor dem Menschen, und du, du, Höchster der
Götter, auch du betrachtest die Menschen mit Schrecken." (Les
Mouches)
- "Wer die
Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen." (Au fil de mes
lectures)
- (Über
Ernesto "Che" Guevara) "Ich halte dafür, dass dieser Mann
nicht nur ein Intellektueller, sondern der vollkommenste Mensch
unserer Zeit war."
- "Heute würde
ich den Begriff Freiheit folgendermaßen definieren: Freiheit
ist jene kleine Bewegung, die aus einem völlig
gesellschaftlich bedingten Wesen einen Menschen macht, der nicht
in allem das darstellt, was von seinem Bedingtsein herrührt."
(Sartre über Sartre, Interview mit Perry Anderson, Ronald
Fraser und Quintin Hoare, 1969)
- "Moral ist
Desinteresse, wenn sie abstrakt ist. Es ist eine Art, sich aus der
Affäre zu ziehen." (Cahiers pour une morale)
- "Être
libre, c´est savoir dire Non."/"Frei sein heisst, Nein sagen
zu können."
Regie:
Rolf
Schoch,
Erwachsenenbilder und Regisseur
1945 geboren, kam relativ spät zum Theater. Er lernte den Beruf
des Schriftsetzers und arbeitete bis Sommer 2002 in der grafischen
Branche. Er spielte seine erste Theaterrolle 1979 im Berner
Heimatschutztheater und in den folgenden Jahren in insgesamt zehn
verschiedenen Rollen. Nach Aus- und Weiterbildungskursen (u.a. am
Konservatorium Bern) folgte die erste Regiearbeit 1985. Zwischen den
Regiearbeiten in den Theatervereinen von Laupen, Belp, Toffen,
Ittigen, Münsingen, Signau, Fraubrunnen und Kerzers inszenierte
er die Freilichtaufführungen in Signau (1998 "Bärewirts
Töchterli", 2005 "Chäserei i der Vehfröid"), in Belp
(2000 "Katharina Knie", 2002 "Gfreutischti Frou"), in
Stalden/Konolfingen (2003 "Lysistrata") und 2006 im Kuttelbad ("Wo
die Hirschlein seufzen"). Nach über zwanzig Jahren
Tätigkeit als Amateurschauspieler und -regisseur folgte der
vollamtliche Einstieg in den Theaterberuf (Sommer 2002). Neben den
Arbeiten als Regisseur und ab und zu einer Rolle als Schauspieler ist
er als Erwachsenenbilder (Deutsch für erwerbslose
Fremdsprachige) und als Kursleiter für Theater tätig
tätig.
Zum Inhalt:
Die geschlossene
Gesellschaft - das sind drei Tote, unentrinnbar für immer
zusammengesperrt in einem scheußlichen Zimmer, wo das Licht
ewig brennt und keine Sekunde Schlaf gegönnt wird. Garcin, ein
Journalist, hat seine Frau in den Tod getrieben und als Politiker in
entscheidender Situation feige versagt. Die lesbische und zugleich
hochintellektuelle Inés hat eine junge Frau ihrem Mann
entfremdet, bis diese zutiefst verzweifelt sich selbst und
Inés mit Gas vergiftet hat. Die sinnlich verführerische
Estelle hat ihr Kind ermordet und ihren Geliebten in den Tod
getrieben. Die Hölle, in der diese drei Verdammten schmoren,
bedarf keiner Bratroste und keines sengenden Feuers - sie sind
einander selbst Hölle genug. Jeder ist verdammt dazu, die
anderen beständig zu quälen und selbst von den anderen
gequält zu werden. Die lesbische Inés verzehrt sich nach
Estelle, die aber nichts von ihr wissen will und sich an Garcin
heranmacht. Garcin wiederum lechzt nach der intellektuellen
Anerkennung von Inés. So dürstet jeder nach der Hilfe
eines der beiden anderen, aber sich diesem nähernd, verletzt er
zugleich zutiefst den anderen. Sie können weder voneinander
lassen, noch voreinander fliehen, nicht einmal töten können
sie sich - sie sind bereits tot! Und so gilt auf ewig: "Die
Hölle, das sind die anderen".
Personen:
|
|
|
Inés
|
Alexandra
Vogt
|
|
Estelle
|
Regula
Gerber
|
|
Garcin
|
Hans Peter
Blaser
|
|
Der
Kellner
|
Rolf
Schoch
|
|

|
--> Video

top
zurück
zur Übersicht bisheriger Vorstellungen
zum
Veranstaltungskalender
Web-Design: Martin
Scherler