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Der jüngste Tag

Schauspiel in sieben Bildern von Ödön von Horváth


«I ha d Sunne gärn!»

Ödön von Horváth, österreichischer Schriftsteller (gebürtiger Ungare, 1901-38). Lebte 1934-38 in Berlin. In seinen sozial- und moralkritischen Bühnenwerken versuchte Horváth das Wiener Volksstück neu zu beleben; sie weisen eine sichere, knappe Stilisierung, dichte Atmosphäre, geschickte Dialogführung und treffende Menschendarstellung auf.
Wichtige Werke:
Die Bergbahn, Sladek der schwarze Reichswermann, Der ewige Spiesser (Roman), Geschichten aus dem Wienerwald, Glaube Liebe Hoffnung, Die Unbekannte aus der Seine, Hin und Her, Himmelwärts, Don Juan kommt aus dem Krieg, Der jüngste Tag, Dorf ohne Männer, Figaro lässt sich scheiden.

Regie:
Kurt Frauchiger, geboren 1942 in Bern. Nach der Lehre als Positiv-Retoucheur, 1963-67 Schauspielausbildung bei Edith Langer-Tolnay. Anschliessend diverse Engagements in Kleintheatern und Radio Bern. 1971 erste Eigenproduktion im Zähringer Theater: «Blödem Volke unverständlich...» Christian Morgenstern Collage. TV-Moderator «Spielhaus». Mitglied des Cabaret Kultursympatisanten 1978-93. Mitbegründer Zimmertheater Chindlifrässer (Schauspieler, Regisseur). Leiter der Seniorentheater Lyss und Thun. Engagements an div. Theaterbühnen (Neue Volksbühne Bern, Fraubrunnen, Lyssach)


Üse Stationsvorstand isch ine falsche Verdacht grate... - Wo blybt mys Bier?


Zum Stück:
Eisenbahnkatastrophe wegen eines Kusses.
Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf mit einem Bahnhof, wo die meisten Züge ohne Halt durchbrausen. Dieser Bahnhof wird von Stationsvorsteher Thomas Tüscher bedient, einem korrekten, vorbildlichen Beamten, der noch nie ein Signal nicht gegeben hat. Er steht unter Druck seiner um 13 Jahre älteren, unzufriedenen und unbefriedigten Gattin Gertrud, die ihrerseits eine Stütze in ihrem Bruder, dem Dorfdrogisten Alfons hat. Obwohl Tüscher die Differenzen mit seiner Frau nie zugibt, weiss die ganze Dorfschaft davon, zumal sich der Herr Stationsvorstand schon seit langem nicht mehr im Wirtshaus hat blicken lassen. Prompt wird er deswegen eines Tages von der hübschen Anna, der Tochter des Wirtes gestellt, nachdem diese ihren Verlobten, den Mezger Ferdinand auf den Zug begleitet hat. Um die im Dorf unbeliebte Gattin des Vorstandes - diese hysterische Scheese - zu ärgern, drückt Anna Thomas einen Kuss auf die Wange - einen Kuss mit fatalen Folgen, denn Sekunden später donnert der Schnellzug über das zu spät gestellte Signal und stösst auf dem Viadukt mit einem Güterwagen zusammen.
Anna, Gertrud und Thomas wissen genau, dass das Signal wegen dieses Kusses zu spät gestellt wurde; der Staatsanwalt kann dies nicht beweisen, hat aber ein «merkwürdiges Gefühl». Wie werden sich die drei nun vor der Justiz verhalten? Wird die Gattin ihren ungeliebten Mann schützen - oder wegen Anna wahrheitsgemäss aussagen? Wird Anna einen Meineid leisten? Wird Thomas lügen, um die junge Anna und sich zu schützen?
Ödön von Horváth hat die weitere Entwicklung dieses Dramas sorgfältig aufgebaut und so die Spannung bis zum letzten Moment aufrechterhalten, denn er bringt nicht nur die Justiz ins Spiel, sondern auch die Dorfbürger. Dorfbürger, die ohne exaktes Wissen um die Begebenheiten vor dem Unglücksfall ebenfalls Justiz spielen, und so das Gewissen der Beteiligten plagen.


Staatsanwalt und Kriminalbeamter im Verhör mit dem Stationsvorstand

1. Bild

kleine Bahnstation

2. Bild

auf dem Bahndamm, wo zwei Züge zusammengestossen sind

3. Bild

im «Wilden Mann»

4. Bild

beim Viadukt

5. Bild

im Gasthaus zum «Wilden Mann»

6. Bild

in der Drogerie

7. Bild

auf dem Bahndamm, wo einst die beiden Züge zusammengestossen sind

Personen:

Thomas Tüscher, Stationsvorstand

Theo Marti

Gertrud Tüscher, seine Frau

Margrit Eggli

Alfons Tüscher, ihr Bruder, Drogist

Urs Zingg

Gottfried Lechner, Wirt zum «Wilden Mann»

Ruedi Rickli

Anna Lechner, seine Tochter

Yvonne Brefin

Ferdinand, deren Bräutigam, Metzger

Urs Hungerbühler

Leni, Kellnerin im «Wilden Mann»

Alexandra Vogt

Frau Leimgruber

Liliane Lauber

Bauernfrau

Susanne Baumgartner

Vertreter

Toni Bürki

Polizist

Urs Steiner

Josef Flückiger, Zugführer

Fredi Borcard und Jürg Schneeberger

Staatsanwalt

Franz Ryser

Kriminalbeamter und Streckenwärter

Martin Scherler

Ehrsam, Lokomotivführer

Walther Pulver

Gast

Cyril Bezak

Kind

Denise Brombacher, Lisa Schweighauser und Caroline Pulver

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